Kaffeeradeln – ein Projekt von „Wissensleben“
Kaffeeradeln ist ein Projekt von „Wissenleben“ und wird organisiert und geleitet von Dr. Maiken Winter, der Vorsitzenden des gleichnamigen, gemeinnützigen Vereins.
Von meist 12 Radler:innen werden 120 kg ökologisch von Kooperativen in Nicaragua angebauter (und dort tw. mit Unterstützung von Café Chavalo) weiterverarbeiteter) Kaffee, der mit dem Lastensegler Avontuur klimaneutral über den Atlantik zum Hamburger Hafen verbracht worden ist, durch Deutschland transportiert und an Eine-Welt-Läden und lokale Röstereien ausgeliefert. Mit dem Erlös werden nachhaltige Projekte unterstützt.
Hier die vier bisherigen Touren: Kaffeeradeln 2021: von Hamburg nach Weilheim (Obb.); Kaffeeradeln 2022: von Bremerhaven nach Karlsruhe; Kaffeeradeln 2023: von Hamburg nach Leipzig; Kaffeeradeln 2024: von Hamburg nach Stralsund.
Landschaftlicher Routenüberblick für Kaffeeradeln 2025: von Hamburg nach Überlingen (1170 km, 16 Etappen)
Die Route von Kaffeeradeln 2025 quert in Nordsüdrichtung fast die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Bis auf die Nordseeküste und die Alpen werden alle landschaftliche Großregionen beradelt: das Norddeutsche Tiefland, das Mittelgebirgsland, das Südwestdeutsche Stufenland und das Alpenvorland.

Erster Tag des Kaffeeradelns 2025, Freitag, 22.08.2025: von Hamburg nach Schneverdingen
Am Vorabend fand an einem sehr besonderen Ort die Auftaktveranstaltung für das Kaffeeradeln 2025 statt – in der Hamburger Flussschifferkirche.
Auf der ersten Etappe geht es von Hamburg durch dessen Stadtteil Wilhelmsburg hinein in die Lüneburger Heide und zunächst durch die hügelige Nordheide nach Schneverdingen (Tag 1).

Am Freitag um 9 Uhr fuhr die Gruppe der zehn Radler vom Treffpunkt an der nahe zum Hauptbahnhof Hamburg gelegenen Kirche St. Jacobi zunächst zur Elbe und radelte flussaufwärts entlang des Stadtteils Rothenburgort und des auf der gegenüberliegenden Seite der Norderelbe entstandenen Stadtteils Hafencity. Unübersehbar: die Bauruine des Elbtowers, eine Hinterlassenschaft des österreichischen Geschäftsmannes Benko, der noch immer in Untersuchungshaft sitzt.

Bei einem großen Lagerhausunternehmen wurde der nach der Anlandung dort deponierte Kaffee – genauer: die Teilmenge von 120 kg, bestehend aus 72 kg Rohkaffee (soviel wiegt ein Kaffeesack) und ca. 50 kg bereits gerösteter und zur Hälfte schon gemahlener und eingetüteter „Segelkaffee“ – auf die Räder verteilt. Zusätzlich zum eigenen Gepäck wurden also zwischen 5 und 20 kg Kaffee auf die (Lasten-)Räder geladen.
Die Route führte durch den Stadtteil Wilhelmsburg und dort durch das Grüngelände der IBA (Internationalen Bauausstellung, Hamburg 2006-2013), die zu einer erheblichen Steigerung der Lebensqualität in diesem sozial eher unterprivilegierten Stadtteil beigetragen hat.

Nach Querung der Süderelbe und der Innenstadt von Harburg konnte fast durchgängig durch Grüngürtel und autostraßenfern bis Buchholz geradelt werden – erstaunlich, durch den sog. Speckgürtel von Hamburg gibt es eine solche Radroute. Die Region ist – in der Naturräumlichen Großeinheit „Norddeutsches Tiefland“ liegend – Teil einer Endmoräne, die das Relief spürbar (Anstiege und Abfahrten) und sichtbar (hügelig) prägt: die sog. Harburger Berge.
In Buchholz gab es eine schöne Einladung zur Mittagsmahlzeit in das Haus von Lars & Lotta. Nach dieser Stärkung folgte der zweite Teil der Tagesetappe, der durch den Westrand der Lüneburger Heide (Nordheide) und dabei über Handeloh führte.

Am mittleren Nachmittag trafen die Kaffeeradler in Schneverdingen und dort bei Heidjer Kaffee ein. In dieser Rösterei wurde die erste Charge Rohkaffee abgeliefert.

Danach führte uns Werner unterstützt von Annette Jacob, der Vorsitzenden der Wohnungsbaugenossenschaft „Meyer’s Hof“, durch den im Entstehen befindlichen Neubau dieses Wohnprojekts. Hier werden schon zu Beginn des kommenden Jahres die ersten Menschen einziehen können, die eine Hausgemeinschaft bilden und das weitgehend selbständige Wohnen im Alter ermöglichen möchten. Dieses große Wohngebäude wird in strohgedämmter Holzständerbauweise errichtet und zeigt, dass ökologisches Bauen auch im großen Maßstab machbar und finanzierbar ist.
Zu einem sehr schmackhafen und vegetarischen Abendessen wurde die Gruppe vom BUND Schneverdingen in das dortige Mehrgenerationenhaus eingeladen.
Im selbstorganisierten Kino des Vereins „LichtSpiel“ fand die Abendveranstaltung statt. Prof. Dr. Nico Paech (Universität Siegen) referierte über das Thema „Kurs nehmen auf eine wachstumsbefreite Zukunft“. In der Nachhaltigkeitsdebatte werde „Grünes Wachstum“ meist gegen das Konzept der „Postwachstumsökonomie“ gestellt. Mit letztgenanntem Konzept werden drei Merkmale zusammengefasst: Suffizienz (z. B. Nutzung langlebiger Produkte; „Zeitwohlstand“ als Folge reduzierter Wochenarbeitszeit), Subsistenz (z. B. Selbermachen und Selbstversorgung, Teilen von Produkten, Reparieren) und „Kleinere Industrie“, d. h. Weiterführung industrieller Produktion auf einem ökologisch verträglichem Niveau.

Zweiter Tag des Kaffeeradelns 2025, Samstag, 23.08.2025: von Schneverdingen nach Kloster Mariensee (89 km, 230 Hm)
Von Schneverdingen führt die Route durch die flachere Südheide (so z. B. über Walsrode an der Böhme), um dann bei dann bei Hodenhagen das Tal der Aller zu durchqueren und dieser flussaufwärts bis Schwarmstedt zu folgen, wo die Leine in die Aller mündet. Der Leine wird flussaufwärts gefolgt und im Kloster Marienau Station gemacht (Tag 2).

In Schneverdingen startete die Gruppe bei kühlem Wetter und besuchte zunächst das im Osten der Stadt liegende Pietzmoor, das flächengrößte (Hoch-)Moor in der Lüneburger Heide.
Der Torfabbau ist wegen geringer Rentabilität schon in den 1960er Jahren eingestellt worden. Seit den 1970er Jahren läuft die Renaturierung der Flächen, insbesondere das Verschließen der Entwässerungsgräben und das Entfernen von aufgewachsenen Bäumen und Büschen. So steigt der Wasserstand durch Regeneintrag langsam an, die nicht abgebauten Torfbestände werden damit wieder von der atmosphärischen Sauerstoffzufuhr getrennt und geben nicht mehr das in ihnen gespeicherte CO2 frei. Eine sehr erheblich klimaschädliche Emissionsquelle kann so reduziert werden.

Den Aufwuchs von Torfmoos und damit die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre wieder in Gang zu setzen, ist das ferne Ziel, das nicht leicht zu erreichen ist, denn insbesondere der Nährstoffeintrag muss sehr gering sein. Auch die schön anzusehenden, auf den trocken gelegten Flächen aufgewachsenen Heidestauden (s. Foto) müssen entfernt werden, denn auch diese Gewächse tragen zur Entwässerung bei und bringen durch Blatt- und Stengelwerk stickstoffhaltiges Material ein, das zudem in dem nassen Untergrund fault und damit das zehnfach klimaschädlichere Methan freisetzt.
Bald schon musste die Regenbekleidung ausgepackt werden, um einen eher kurzen Schauer zu überstehen, dem dann fast schon sonniges Wetter folgte, für eine kurze Zeit, um jene Prozedur nochmals und leider wiederholt mehrfach ablaufen zu lassen. Erst am Nachmittag wurde es durchgehend sonnig und blieb trocken.
In der Nähe von Soltau führte die Route an einer sog. ökologischen Ausgleichsfläche vorbei. Hier informierte Maiken Winter die Gruppe über die Wirkungen dieser vom Bundesnaturgesetz geforderten Maßnahmen, wenn erhebliche Eingriffe in die Landschaft insbesondere durch großflächige Bauvorhaben entstehen. Meist werde eine hinreichende Kompensation nicht erreicht, denn die verlorengegangenen Flächen können ja nicht an anderer Stelle zusätzlich in die Landschaft eingebracht werden. Stattdessen werden auf vorhandenen Arealen insbesondere Streuobstwiesen oder Feuchtbiotope angelegt, was die zusätzliche Ansiedlung von Pflanzen- und Tierarten ermöglicht. Unter dem Gesichtspunkt der faktischen Vernichtung von Biotopen könne die Finanzierung und das meist von Fachbüros übernommene Auffinden und Planen von Ausgleichsflächen eher wie eine moderne Variante des „Ablasshandels“ gelten.

Einen besonderen Ort für die Mittagspause bot der Tietlinger Wacholderhain, denn in dieser offen gehaltenen und stark hügeligen Heidefläche konnte die Gruppe einen Eindruck von der Heideblüte gewinnen – im August ist dafür die beste Zeit.
Am Grabstein von Hermann Löns boten mehrere Bänke Gelegenheit sich für eine Mahlzeit niederzulassen. Dieser Ort hat eine heikle Geschichte. Hermann Löns ist sicherlich noch immer „der“ Heidedichter. Seine Gedichte zeigen eindrucksvoll die Kargheit und zugleich die Schönheit der Heideflächen und der eingestreuten Wacholderbüsche. Er setzte sich schon zu Beginn des 20. Jhs für den Naturschutz ein.
Dass dieser Dichter auch von den Propagandisten des Nazi-Regimes vereinnahmt wurde, dokumentiert just der Findlingsgrabstein im Tietlinger Wacholderhain. 1914, also im ersten Weltkrieg bei dem Angriff des Deutschen Reichs auf Frankreich, soll Hermann Löns durch einen Schuss getötet worden sein. Ob ein bei Reims aufgefundenes Einzelgrab seine Leiche beherbergte, ist und war unklar. Jedenfalls ordnete Adolf Hitler 1934 an, dass die gefundene Leiche nach Deutschland überführt und in der Nähe des 1929 in der Tietlinger Heide errichteten Löns-Denkmals bestattet wird. Für die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie sollte die Löns-Ehrung genutzt werden. Der heutige Lüneburger-Heide-Tourismus wirbt durchaus mit einem Hermann-Löns-Mythos, der ihn als Heimatdichter, hegenden Jäger und Heidewanderer zeigt.

Bei Sonnenschein erreichte die Gruppe das Café Blaubeerland im Dorf Grethen. Hier gab es eine nach mehr als 70 geradelten Kilometern willkommene Stärkung, insbesondere mit buchweizenbasierter Blaubeersahnetorte. Buchweizen ist keine Weizenart und damit auch kein Getreide und gedeiht selbst auf kargen Moorböden.
Die heutige Route verlief meist auf schmalen, aber gut asphaltierten Verbindungsstraßen zwischen den kleinen Ansiedlungen in der Südheide, öfter auch auf feingeschotterten Wirtschaftswegen, gelegentlich auch auf Nebenstraßen, deren Kfz-Verkehr allerdings gering war. Wurden Landstraßen genutzt, hatten diese fast immer separierte Radwege. Südlich von Soltau verlief die Route tw. über den Leine-Heide Radweg. Im letzten Routenabschnitt wurde tw. die Kulturroute der Region Hannover genutzt.

Erst nach 18 Uhr wurde das Etappenziel erreicht: das Kloster Mariensee. Die Äbtissin, Frau Bärbel Görcke, begrüßte sehr freundlich die Kaffeeradler und führte sie durch die weitläufigen Gebäudeteile dieses Barockbaus (nur die Klosterkirche ist als gotisches Bauwerk erhalten), in dem sich eine Bettstatt für jeden Radler fand – und eine Küche für die Zubereitung des anschließend gemeinsam eingenommenen Abendessens, das der sog. Heidekartoffel – Claudia sei Dank – gewidmet war.
Dieses einstmals gestiftete Zisterzienser Nonnenkloster ist nach der Reformation als evangelisches Frauenkloster weitergeführt worden. Es wurde späterin tw. in ein sog. Frauenstift überführt, also in einen „frommen“ Alterssitz für unverheiratete oder verwitwete Frauen aus wohlhabenden Familien. Das Kloster als Liegenschaft ist nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 in öffentliche Hand übergegangen und wird von der Klosterkammer Niedersachsen verwaltet.
Dritter Tag des Kaffeeradelns 2025, Sonntag, 24.08.2025: von Kloster Mariensee nach Loccum (40 km, 180 Hm)
Von Neustadt am Rübenberge wendet sich die Route nach Westen zum Steinhuder Meer und umfährt dieses im nördlichen Bereich. Im Kloster Loccum wird Station gemacht. (Tag 3).

Nach dem Frühstück führte die Äbtissin die Gruppe durch die eindrucksvoll gestaltete Ausstellung des Klostermuseums und schilderte die bewegte 800-jährige Geschichte dieses Klosters und der anderen evangelischen Frauenklöster in Niedersachsen, der sog. Calenberger Klöster. Zum Abschluss gab es einen Blick in die gotische Klosterkirche. Seit 2017 ist das Kloster Mariensee einer der „frauenORTE Niedersachsen„, in Erinnerung an die engagierte Reformarbeit der Äbtissin Odilie von Ahlden im 16. Jh. .

Bei kühlem, aber nicht mehr regnerischem Wetter brach die Gruppe auf und folgte in etwa dem alten Pilgerpfad zum Kloster Loccum, der einstmals als Visitationsweg entstanden ist. Unterwegs ergab sich die Gelegenheit, bei einem Bioland-Hof für das Abendessen einzukaufen – der „Hofladen“ hat auch am Sonntag geöffnet.

Auf dem Radweg zum Steinhuder Meer wurde ein Stop eingelegt, als sich der Blick auf den Restbereich des Toten Moores ergab, in dem noch (industrieller) Torfabbau stattfindet. Der überwiegende Teil dieses Hochmoores ist unter Naturschutz gestellt und wird renaturiert.

Die Mittagspause wurde am Sandstrand bei Mardorf verbracht, auch mit freudigen Bade- und Schwimmaktivitäten von einigen Gruppenmitgliedern.

Weiter ging es – bei endlich wieder sommerlich warmem Wetter und Sonnenschein – die durchaus einen Anstieg bietenden Rehburger Berge hinauf nach Loccum. Im dortigen Kloster wurde übernachtet.
In Loccum erhielt die Gruppe eine Führung von Beate Ney-Janßen zu einigen Einrichtungen dieser Gemeinde, die sich in besonderer Weise der Nachhaltigkeit verpflichtet haben. So konnte ein sehr solide gefertigter Bücherschrank bestaunt werden (davon gibt es sogar zweie in der Gemeinde), dessen Angebot von einer kleinen Gruppe engagierter Frauen regelmäßig sortiert und über Spenden ergänzt wird.
Die nächste Station war der „FoodTeiler“, gleichfalls eine Initiative von engagierten Menschen, die in einem ganztägig zugänglichen Vorraum des evangelischen Gemeindehauses Nahrungsmittel anbieten. So spendet der örtliche Supermarkt die abendliche Restbestände seines Brotshops. Zudem werden Gemüse und Obst und sogar zu kühlende Lebensmittel angeboten, letztere in einem Kühlschrank, dessen Inhalt regelmäßig kontrolliert wird.
Weiter ging es zum Loccumer Laden, den engagierte Frauen gleichfalls ehrenamtlich betreiben. In diesem Laden werden eingehende Kleiderspenden zu sehr geringen Preisen verkauft. Die Nachfrage sei rege, erläuterte Carmen Thomas, die mit ihren Kolleginnen für mehrere Öffnungstage pro Woche und für die gesamte Organisation sorgt. Der Laden spendet erwirtschaftete Überschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit des Ortes und ist in einen entsprechenden gemeinnützigen Verein eingebunden.

Zum Abschluss des Rundgangs besuchte die Gruppe den „Weltladen“: ein „Fachgeschäft für Fairen Handel“. Heinz Emmrich schilderte, dass dieser Laden nunmehr schon fast fünfzig Jahre besteht. Das Kloster Loccum ermöglicht einen besonderen Standort. In der einstmaligen Frauenkapelle des Klosters, die späterhin zu einem Schulraum umgewidmet wurde, kann der Weltladen seine faihr gehandelten Produkte anbieten. Zudem ist der angebotene Kaffee auch im Ausschank erhältlich. Der Laden ist samstags und sonntags geöffnet. Gewinne aus dem Verkauf werden für mehrere Projekte gespendet, so z. B. für eine Hebammenhilfe auf Madagaskar.

Um 17:30 Uhr besuchten die Kaffeeradler die allwöchentliche „Musik zur Einkehr“ in der eindrucksvollen, weil im romanischen Stil errichtete und später gotisierte Stiftskirche des Klosters Loccum.
Das Duo Schmarowotsnik (Akkordeon und Klarinette und Gesang) trug neue jiddische Lieder vor. Die einleitenden, mahnenden Worte erwähnten sowohl das Leid, das den Menschen in Israel durch den Überfall der Hamas zugefügt worden ist, als auch das Leid, das die israelische Regierung mit ihren Tuppen den Menschen im Gaza-Streifen zufügt.

Das untenstehende Foto zeigt den Schreiber dieser Zeilen beim Schreiben anderer Zeilen.

Vierter Tag des Kaffeeradelns 2025, Montag, 25.08.2025: von Loccum nach Hameln (86 km, 340 Hm)
Bei Petershagen wird das Wesertal erreicht und dem Fluss aufwärts gefolgt. An der Porta Westfalica (bei Minden) durchbricht die Weser das Wiehengebirge. Der Fluss liegt fortan im Weserbergland. In Hameln wird Station gemacht (Tag 4).

Ein sommerlicher Tag kündigte sich am Morgen an. Und so startete die Gruppe zeitig, d.h. um 08:30 Uhr, auf eine lange Tagesetappe, die in Richtung Westen führte. Im Vogelschutzgebiet Weseraue wurde eine ornithologische Pause gemacht. Vom einem Beobachtungsturm aus konnte über die Nasswiesen auf einen flachen See geblickt worden. Dort trocknete ein Kormaran sein Gefieder; Silberreiher saßen zahlreich auf den gewässernahen Bäumen; vielleicht waren auch Watvögel im Seichtwasserbereich unterwegs.

Schon zuvor zeigte sich ein besonderes Schaupiel am Himmel. Etliche Störche schwebten in Spiralen hoch über den Wiesen- und Ackerflächen und nutzten hier offenbar den Aufwind, um dann auf beträchtlicher Höhe mit der Windrichtung und weniger Krafteinsatz ihre Reise gen Süden anzutreten oder fortzusetzen.
So erreichte die Gruppe die Weser und folgte – auf einer verkürzenden, aber erheblich ansteigenden Alternativroute, der Weser flussaufwärts – auf dem Weserradweg, dem neben und auch mal vor dem Elbradweg beliebtesten Radfernweg in Deutschland.

Ein technisches Wahrzeichen von Minden ist das dortige Schifffahrtskreuz: Hier quert der Mittellandkanal die Weser. Um den Lastschiffen den Auf- und Abstieg zu ermöglichen, wurde von 1911 bis 1914 die Mindener Schachtschleuse erbaut, die eine erstaunliche Gebäudearchitektur aufweist. 2017 ist nebendran die sog. Weserschleuse fertiggestellt worden, die auch Großmotorgüterschiffe aufnehmen kann.
Südlich von Minden liegt die Porta Westfilica. Hier hat die Weser in prähistorischen Zeiten, also vor ca. 350.000 Jahren, einen Durchbruch durch das Wiehengebirge geschaffen (vermutlich als Folge einer tektonischen Hebung, die den ursprünglich östlichen Verlauf beendete), dessen Weite (ca. 600 m) heute erstaunen lässt. Gern fotografiert wird das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das auf der am Hang hoch über dem Fluss von 1892 – 1896 erbaut worden ist.

Um den Weserbogen bei Bad Oeynhausen nicht umradeln zu müssen, wurde die Steigungsroute über Hausberge genommen – eine sehr harte Herausforderung für die Bio-Bike-Radler.
In der attraktiven Altstadt von Rinteln fand die Mittagspause statt. Rinteln war, das ist in Vergessenheit geraten, von 1619 bis 1810 eine Universitätsstadt, was deren Ruf und Wohlstand durchaus förderlich war. Gegründet wurde diese Universität allerdings in der Residenzstadt Stadthagen, von wo diese nach Rinteln verlegt wurde. Da nur 100 – 120 Studierende eingeschrieben waren, wurde diese Universität wie z.B. auch jene von Helmstedt, in der Zeit der napoleonischen Besatzung geschlossen.
In Fischbeck wurde eine Pause eingelegt, um die dortige Stiftskirche zu besichtigen – ein eindrucksvolles Bauwerk mit romanisch-gotischer Architektur und einer Innenwandbemalung, die 1903 nach einer kaiserlichen Zuwendung und zahlreichen Spenden aufgebracht worden ist.

Von dort war es zum Zielort Hameln nicht mehr weit. Im zentral gelegenen Weltladen, der nun schon 50 Jahre besteht und 2008 in das neu errichtete Haus der Kirche am Pferdemarkt überwechseln konnte, übergab die Gruppe eine Charge des Segelkaffees. Dessen Erlös wird der Weltladen an ein Projekt in Ghana weiter leiten, das einfache Infrastrukturmaßnahmen direkt finanziert, so z. B. Wasserbrunnen.

Anschließend gab es eine kleine Führung durch die Altstadt von Hameln, die insbesondere auch Dank des Engagements von Elsa Buchwitz nicht wie das wesernahe Quartier abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden ist, sonden mit den Fachwerk- und Weser-Sandstein-Rennaissance-Bauten erhalten worden ist.
Die engagierte Hamelner Bürgerin Elsa Buchwitz hatte dafür gesorgt, dass die Altstadt von Hameln nicht weiter abgerissen wurde. Sie gründete zwei Restaurants in der Altstadt. Das zweite, den „Pfannkuchen“, suchte die Gruppe für das Abendessen auf.
Fünfter Tag des Kaffeeradelns 2025, Dienstag, 26.08.2025: von Hameln nach Bad Karlshafen (92 km, 280 Hm)
Weiter geht es weseraufwärts und damit dem beliebten Weserradweg folgend über Höxter (Abtei Corvey) nach Bad Karlshafen. Zwischen Hameln und Bodenwerder erstreckt sich der imposante Ith am Ostrand des Weserrtals. Südöstlich von Bodenwerder grenzt der Vogler an das Wesertal, südöstlich von Holzminden der Solling. In Bad Karlshafen wird Station gemacht (Tag 5).

Bei bestem Sommerwetter startete die Kaffeeradlgruppe durch die Altstadt von Hameln an die Weserfront und weiter dann den Weserradweg flussaufwärts nehmend.
Bald schon wurde Grohnde erreicht. Schon von weitem sind die beiden riesigen Kühltürme dieses Atomkraftwerks sichtbar, gegen dessen Bau sich seinerzeit in der Region Hameln massiver Protest entwickelt hat. Das AKW Grohnde wird über mindestens 15 Jahre eine Großbaustelle werden, was „Rückbau“ genannt, Unmengen an Kosten verursachen und eine Strahlungsbelastung erbringen wird, die wahrscheinlich über jener der Betriebszeit liegen wird. Und bislang ist völlig ungeklärt, wohin die „strahlenden Reste“ verbracht werden sollen.

Das Radeln im Wesertal auf dem Flussradweg bot immer wieder schöne landschaftliche Eindrücke: der Fluss, die Auen, die ansteigenden Berge am Rand des weiten Tals, manchmal auch Geländeaufschlüsse am Steilufer, ab und an eine Gierseilfähre und/oder ein Rastplatz mit oder ohne Einkehrmöglichkeit.




In Holzminden wurde Station gemacht, nach kleiner Besichtigung der Altstadt, im schattigen Außenbereich eines Cafés. In diesem Ort ist die Weltfirma Symrise ansässig und entwickelt – nach Erfindung des synthetischen Vanillearomas gegen Ende des 19. Jhs – Aromen und Duftstoffe auf chemischer Grundlage. Werden damit natürliche Ressourcen geschont?

Eine lange Allee hoher Platanen führt entlang der Weser auf die Abtei Corvey zu, deren Westwerk – ein romanischer Großbau vom Ende des neunten (!) Jahrhunderts (UNESCO Welterbe) – wurde besichtigt. Dazu steht in hartem Kontrast das Schiff dieser einstmaligen Klosterkirche, die architektonisch gotisiert und in der Innenausstattung fast schon überbordend barockisiert worden ist.

Der ehemalige und riesige Baggersee in Godelheim lud zu einem Bad ein. Diese kostenfreie Freizeitanlage mit Spielplatz und Wasserrutsche wird als Freibad von der Stadt Höxter unterhalten.

Weiter ging es auf dem Weserradweg bis Karlshafen.



In Bad Karlshafen wurde übernachtet. Diese Stadt ist zu Beginn des 18. Jhs als Exulantenstadt = Ansiedlungsort für Glaubensflüchtlinge gegründet und als barocke Planstadt erbaut worden, was sich noch heute im Gebäudeareal um den Stadthafen und im dort rechtwinkligen Straßenverlauf zeigt. Landgraf Karl von Hessen-Kassel sah damals eine große Chance darin, den in Frankreich verfolgten Hugenotten eine Ansiedlungsmöglichkeit anzubieten und als Stadtneubau zu finanzieren. Welch ein Kontrast zu heutigen Flüchtlingspolitik in Deutschland!
Sechster Tag des Kaffeeradelns 2025, Mittwoch, 27.08.2025: von Bad Karlshafen nach Kassel (75 km, 430 Hm)
Südlich von Bad Karlshafen grenzt der Reinhardswald an das Wesertal; auf der Ostseite der Weser erhebt sich der Bramwald. In Hannoversch Münden vereinigen sich Werra und Fulda zur Weser; südöstlich grenzt der Kaufunger Wald an das Fuldatal. Weiter wird der Fulda gefolgt und Kassel als Station erreicht (Tag 6).




Den ersten Stopp legten die Kaffeeradler am Kloster Bursfelde ein. Von diesem einstmaligen Benediktinerkloster ist noch die romanische Klosterkirche St. Thomas und Nikolaus erhalten, in der einzelne Flächen der einstmalige Wandmalerei freigelegt worden sind.


Weiter ging es auf dem Weserradweg in Richtung Hann. Münden, wo die Gruppe zunächst die Flussinsel Tanzwerder mit dem Weserstein und dem Ausblick auf den Zusammenfluss von Werra und Fulda aufsuchte.

Am Kirchplatz erwartete die lokale Presse die Kaffeeradler. Maiken Winter gab ein Interview, und zum Abschluss der Pause wurde ein schönes Pressefoto mit Rädern gemacht.
Nun ging es auf dem Fuldaradweg weiter, mit Badepause an einem „Sandstrand“ dieses erstaunlich sauberen Flusses.

Bei bestem Sommerwetter radelte die Gruppe nach Kassel hinein. Nahe zum alten Hauptbahnhof gelegen ist die Rösterei Herz & Bohne, in der 10 kg Rohkaffee abgeliefert wurde – mit einem ganz besonderen Empfang. Es spielte das Trio „Orchester des Wandels“ (Geige, Cello und Klarinette). Zudem wurde die besondere politische Initiative dieses Orchesters erläutert: als Musiker*innen sind sie für den Klima-, Natur– und Artenschutz aktiv.

Als Vertreter des Magistrats hielt Stadtrat Hajo Schuy (SPD) eine Ansprache. Die Grüße des Oberbürgermeisters Dr. Sven Schöller (Grüne) ergänzte er um den Hinweis, dass auch der OB ein begeisterter Radfahrer sei. Die Stadt Kassel engagiere sich für eine nachhaltige Entwicklung. So sei die Stadt „Schwammstadt“ geworden, sie fördere in besonderer Weise den Radverkehr und sie engagiere sich für eine Friedenspolitik gerade angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Hajo Schuy war früher als Entwicklungshelfer in Nicaragua tätig und hat in Deutschland seinerzeit Kaffee aus Nicaragua in den Handel gebracht. Das waren jene Zeiten, in denen die Engagierten/Linken „Sandino Dröhnung“ tranken, nicht selten ein Getränk von lausiger Qualität. Letzteres hat sich gravierend in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Heute erfüllt der Kaffee aus den Kooperativen Mittelamerikas meist höchste Qualitätsansprüche, so auch der Segelkaffee, den Kaffeeradeln transportiert.
Ein kurzer Weg führte zur Alten Brüderkirche. Diese gotische Kirche (fertiggestellt im 14. Jh.) am Rande der Innenstadt ist von der Gemeinde aufgegeben worden. Sie wurde entweiht und nachfolgend restauriert und dient mit den Nebengebäuden dieses einstmaligen Karmeliterklosters seit 2017 dem Hotel und Veranstaltungshaus Renthof.
In dem gotisch hohen Kirchenraum waren drei Feldbetten aufgestellt worden, auf dem Boden konnten Liegematten ausgebreitet werden und zudem wurden zwei Hotelzimmer mit Duschen zur Verfügung gestellt.
Jasmin Ohlendorf begrüßte die Kaffeeradler und führte die Gruppe durch die beeindruckenden Räumlichkeiten. Der Renthof hat ein umfassendes Konzept von Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Hotels und des Restaurants etablieren können und ist zertifiziert worden und gehört zu den GreenSign-Hotels.
Der Renthof ist in der Steuergruppe Fairtrade-Stadt Kassel engagiert, in der auch Kirchengemeinden vertreten sind.
Dekan Dr. Michael Glöckner vom Evangelischen Stadtkirchenkreis Kassel und seine Mitarbeiterin Frau Schaf trafen am Abend mit den Kaffeeradlern und Jasmin Ohlendorf zu einer Informationsrunde im Renthof zusammen.

Siebter Tag des Kaffeeradelns 2025, Donnerstag, 28.08.2025: von Kassel nach Bad Hersfeld (93 km, 550 Hm)
Weiter geht es flussaufwärts entlang der Fulda. So führt die Route durch das Osthessische Bergland und umfährt dabei östlich den Knüll (über Melsungen, Rotenburg an der Fulda und Bebra) und erreicht dann Bad Hersfeld (Tag 7).

Am Vorabend und frühen Morgen war für den gesamten Tag Regen vorhergesagt. Als die Gruppe nach einem exzellenten Frühstück im Renthof und einer kleinen Andacht in der Alten Brüderkirche (unter Leitung von Dekan Dr. Michael Glöckner vom Evangelischen Stadtkirchenkreis Kassel) das herrlich gastliche Quartier verließ, blieb der Regen aus – und das setzte sich über den gesamten Tageslauf so fort.
Geradelt wurde also bei sommerlichem Wetter flussaufwärts durch das Fuldatal.



Am Marktplatz der eindrucksvollen Fachwerkstatt Melsungen konnten die Kaffeeradler den Wochenmarkt besuchen und eine angenehme Pause einlegen.

Weiter ging es die Fulda aufwärts. In Rotenburg an der Fulda, einer gleichfalls imposanten Fachwerkstatt, lud der Marktplatz zu einer längeren Pause ein. Die „Marktfrauen“ schauten zu.


Am frühen Abend traf sich die Gruppe im Buchcafé von Bad Hersfeld mit Gerd Heusel und Hiltrud Pelka von der „Klimainitiative Bad Hersfeld e.V.“ und mit Lukas Sichardt von der „Friedensinitiative Hersfeld/Rotenburg“.
In Hersfeld sind konkrete mittel- und langfristige Planungen zum Klimaschutz in Bad Hersfeld auch mit Beauftragung eines Fachbüros ausgearbeitet worden; diese haben die politische Zustimmung erhalten. Die Umsetzung allerdings wird allerdings kaum betrieben.

Eine Teilgruppe traf sich für ein kurzes Gespräch mit der Bürgermeisterin von Bad Hersfeld, Frau Hofmann, in der Stadthalle.
Zum Abschluss dieses langen, weil 90 Radlkilometer umfassenden Tages kehrte die Gruppe wieder in das Buchcafé ein.
Achter Tag des Kaffeeradelns 2025, Freitag, 29.08.2025: von Bad Hersfeld nach Rabenstein (88 km, 590 Hm)
Bei Schlitz wird das Tal der Fulda verlassen und durch den östlichen Vogelsberg geradelt – über Bad Salzschlirf und Lauterbach. Dabei dient eine zum Radfernweg (R7 in Hessen) umgebaute ehemalige Bahntrasse als Steigungshilfe (kaum mehr als 3 %). Bei Rabenstein wird der Nordwestrand des Spessarts erreicht (Tag 8).

Wieder ein Tag mit morgentlicher Regenansage und späterhin bestem Hochsommerwetter. Von Hersfeld ging es entlang der Fulda durch deren Auen nach Schlitz.

Leider waren am heutigen Radltag gleich zwei platte Reifen zu flicken. Aber auch dafür hat das Kaffeeradeln Expertise dabei: Ingo und Andreas können schnell und hochwirksam auch in der Fuldaaue Räder aus- und einbauen und Schlauchlöcher identizieren und flicken.

Am Hinterturm in der Altstadt von Schlitz erwartete Udo Keilwerth die Gruppe, um in launiger Art über die Geschichte dieser eindrucksvollen Stadt und deren Burgen(ring) zu informieren. Zudem war Nadja Hartung vom Stadtmarketing dabei, um über dieses Event – Kaffeeradeln 2025 besucht Schlitz – zu berichten. Als Dankeschön für den Besuch überreichte sie zwei Flaschen Kaffeelikör, der in Schlitz hergestellt wird und exzellent am Abend mundete.

Udo Keilwerth fuhr die Gruppe auch auf den 30 m hohen Turm hinauf, um von dort oben nochmals die historischen Bauten einschließlich der vierten „Burg“, das Grafenschloss Hallenburg zu zeigen, in dem die Landesmusikakademie Hessen sehr schön untergebracht ist. Dort, im Schlosspark, fand die Mittagspause der Kaffeeradler statt.


Vermittelt hatte diese Führung ein Freund aus Schlitz: Hermann Sauer, der diese Region bestens kennt – aus dreißig Jahren Landarztpraxis hier. Darüber hat er ernst und humorvoll berichtet, mittlerweile in drei Bänden.

Weiter ging es der Schlitz folgend nach Lauterbach, einen hübschen Städtchen am Vogelsberg. Hier wurde in der schönen Altstadt noch eine Pause eingelegt, um dann auf die zum Radfernweg ausgebaute Bahntrasse (Vulkanradweg) zu radeln und dieser bis Crainsfeld zu folgen, bei maximal 3 % Steigung und mit immer wieder wunderbaren Ausblicken auf die hügelige Landschaft.
In Rabenstein endete die Etappe auf einem Ferienbauernhof, der drei bestens ausgestattete Tiny-Häuser vermietet.

Neunter Tag des Kaffeeradelns 2025, Samstag, 30.08.2025: von Rabenstein nach Aschaffenburg (76 km, 370 Hm)
Am Rand des Spessarts schwenkt die Route bei Wächtersbach in das Tal der Kinzig (mündet bei Hanau in den Main), der bis Gelnhausen gefolgt wird. Den Spessart querend und somit abweichend vom Flusstal die direkte Verbindung nutzend wird das Maintal bei Aschaffenburg erreicht (Tag 9).

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