Montag (10.08.2026): Anreise per Bahn nach Sonthofen
Per ICE ging es von Hannover los, pünktlich, mit sehr netten Zugbegleitern, die dabei halfen, die Räder durch den Gang in die „Notabteile“ zu bugsieren. Warum: Kurzfristig eingesetzter Ersatzzug ohne Fahrradstellplätze. Geht doch, die Bahn! Wir kamen sogar pünklich an München Hbf an. Nur der Mittelstreckenlauf zum Außengleis 31 war bei den vielen Reisenden und dem verwinkelten Zuweg (wegen der Großbaustelle) eine Herausforderung, aber 2 min vor Abfahrt standen unsere Räder im RE nach Memmingen.
In Sonthofen wird es in absehbarer Zeit barrierefreie Bahnsteige geben. Noch wird hier alles umgebaut. Aber nette Ortsansässige entschuldigten sich für die Zumutungen des Treppenschiebens der E-Bikes und halfen unser Gepäck schon mal hochzutragen. Geht doch, Sonthofen!
Den Bioladen in der Innenstadt steuerten wir sogleich für den Versorgungseinkauf an. Das Angebot ist vielfältig und gut.
Unsere FeWo ist ein Reihenhaus mit Balkon und Garten, ruhig gelegen, unweit der Kernstadt. Alles prima!

Dienstag (11.08.2026): Runde von Sonthofen mit Panorama-Blick zur Strausbergalpe (20 km, 570 Hm)
Schon wieder ein schöner, warmer Hochsommertag! Das Frühstück gab’s auf dem kleinen Balkon in dieser Reihenhaussiedlung, in der es so seltsam still ist – alle Anwohner verreist?

Am Vormittag starteten wir zunächst mit einer kleinen Stadterkundung. Sonthofen liegt an der Iller, die jedoch nicht in das Stadtbild einbezogen worden war, wie bei vielen alten Städten, die sich vor Hochwasser schützen mussten.
Eine besondere historische Bedeutung erhielt Sonthofen, schon im Kaiserreich eine Garnisonsstadt, durch die Errichtung einer der drei „Ordensburgen“, die als „Adolf-Hitler-Schule“ vom NSDAP-Regime hier errichtet worden ist. Hoch über der Stadt „thront“ ein monumentales Bauensemble, dessen Turm wie jener einer Kirche gestaltet ist. Hier sollten die künftigen Führungskader des nationalsozialistischen Regimes ausgebildet werden. Heute nutzt die Bundeswehr das Areal, das für ca. 100 Mill. Euro umgebaut worden ist. Die Kaserne hat den Namen eines Widerstandskämpfers gegen das Nazi-Regime erhalten: General Oberst Beck.

Sonthofen ist auch eine Stadt mit alemanischem Fasnachts-Brauchtum. So wird hier alle drei Jahre das Egga-Spiel aufgeführt, das an vorchristliche Traditionen anknüpft. Vor dem Rathaus ist eine Brunnenskulptur dazu errichtet worden.

Am späteren Vormittag starteten wir dann zur Alpetour. Im Süden von Sonthofen führt die Route bald schon hinauf in die grünen Wiesen und eröffnet schöne Ausblicke auf das Illertal und die Alpenkette im Süden. Beilenberg ist ein schon fast idyllisch abgelegenes Dorf hoch am Hang über Sonthofen. Die Wegstrecke war bestens asphaltiert.




Am Sonthofener Hof konnten wir nicht anders als eine Pause einlegen. Der Ausblick von dieser Jausenstation auf das Tal ist wunderschön.

Auf dem folgenden Routenabschnitt änderte sich dann die Wegbeschaffenheit sehr erheblich. Es ging über ziemlich geröllige Wege, gelegentlich mussten Rinnsale gequert werden, die Steigungen waren beträchtlich, also eine ziemliche Herausfordung an die Fahrkünste. Zudem versperrten Gatter die Durchfahrt, meist einfach zu öffnen, aber in einem Fall nur querbar nach Entfernen des Drehkreuzes.


Noch in der Mittagszeit erreichten wir die Strausbergalpe, eine sehr gemütlich eingerichtete Jausenstation mit regionalem Speisenangebot. Fasst alle Getränke sind nur in Bio-Qualität erhältlich. Der zugehörige Viehbetrieb hat das Bioland-Siegel. Hier herrschte reger Betrieb. Die meisten Gäste waren vermutlich Wanderer, die bei großer Hitze hier hinauf gestiegen waren. Wir vergrößerten die Radler-Fraktion, die durchweg mit E-Bikes hier eintraf.

Hinter der Alpe ist der Weg neu geschottert worden, von – zumindest derzeit noch – furchterregender Qualität, denn die Schottersteine waren ziemlich groß und das Abwärtsmanöverieren entsprechend heikel.

Gefühlt gab es danach nur noch das Abwärtsrollen zurück nach Sonthofen, aber dann aber besserem Untergrund. Unterwegs fiel auf, dass die Wiesen gemäht waren und das duftende Heu darauf lag. Hier wird also tatsächlich noch Heumahd betrieben und nicht das frisch geschnittene Grünfutter in Sillagerollen verpackt.

Mittwoch (12.08.2026): Durch das Steigbachteil hinauf und durch das Ehrenschwanger Tal hinunter zum Großen Alpsee (62 km, 830 Hm)
Vorgeschlagen wird die Tour in entgegengesetzer Richtung, also zunächst über den Alpsee und dann hinauf nach Steibis und weiter durch das Ehrensschwanger Tal. Der Vorzug der entgegensetzten Route schien uns zu sein, dass die großen Anstiege am Anfang der Tour liegen sollten. Also wählten wir den Einstieg über das Steigbachtal.

Auf dem Illerradweg ging es meist flussnah nach Immenstadt.

Immenstadt war vom 17. – 19. Jh. Residenzstadt einer Grafschaft. Zu dieser Zeit konnte beträchtlicher Reichtum durch den Salzhandel gewonnen werden, der über die Große Salzstraße von Hall in Tirol über Immenstadt zum Bodensee führte. Noch heute erinnert die Wegführung entlang des Alpsees (Große Salzstraße) an diesen Handelsweg.

Schon gleich hinter dem Siedlungsgebiet von Immenstadt steigt die Route sehr stark an. Es geht bergauf, mit mindestens 10 bis zu 20 % Steigung, dem Steigbach folgend.

Nach Durchqueren des Waldgürtels öffnet sich die Landschaft, große Wiesen- und Weideflächen liegen hier oben. Ein herrlicher Ausblick über das Steigbachtal bis zum Grünten bietet sich von der Mittelbergalpe. Hier wird eine Höhe von ca. 1350 m erreicht.







In der Mittelbergalpe wird die gemolkene Milch zu Käse verarbeitet. Im Ausschank gibt es Rohmilch und Buttermilch.
Das Tal steigt noch an, aber bald schon ist der Bergsattel erreicht. Durch die Nagelfluhkette zieht sich die Europäische Hauptwasserscheide: Der Steigbach fließt der Iller zu, welche in die Donau mündet. In das Ehrenschwanger Tal fließt die Weißach, die in die Bregenzer Ach mündet, welche in den Bodensee und somit zum Rhein fließt.
Von hier geht es fast durchweg bergab, nicht immer über gut asphaltierte Wege, aber dennoch gut fahrbar.

Für die Mittagsrast wählen wir die Alpe Simatsgund aus, die einen schönen Blick auf die angrenzenden Hochalmwiesen bietet. Hier oben findet Weidewirtschaft statt, in beträchtlichem Umfang, denn die Weideflächen ziehen sich weit hinauf auf die Berghänge.


Weiter ging es das Ehrenschwanger Tal hinunter mit rasanter Fahrt bzw. stetigem (Intervall-)Bremsen.
Das kleine, recht hoch über Oberstaufen gelegene Steibis ist zu einem vielbesuchten Touristenort geworden. Von dort führt die Route über Hinterstaufen und trifft dann auf den Bodensee-Königsee-Radweg und die Radrunde Allgäu, die beide am Nordufer des Alpsees entlang führen.


Der Große Alpsee weist unter den anderen großen Voralpenseen die geologische Besonderheit auf, dass er sich nicht in süd-nördlicher Ausrichtung erstreckt, was der Hauptabflussrichtung der Eiszeitgletscher entspricht, sondern eine west-östliche Ausrichtung hat. So liegt dieser große See quer vor der Alpenkulisse.

Am Badestrand neben dem Alpsee-Camping gliederten wir uns in das bunte Treiben ein. Bei der großen Hitze bot der See eine willkommene Abkühlung. Allerdings ist der Weg ins Wasser besser mit Badeschuhen zu begehen – Kieselsteine überall.

Donnerstag, 13.08.2026: Tour zur Giebelhaus Berghütte mit Blick auf den Giebel (55 km, 860 Hm)
Die Route führt von Sonthofen aus nach Hindelang. Meist ist es möglich, nahe der Ostrach zu radeln und damit den Radweg entlang der Bundesstraße zu meiden. Diese Wegführung entlang des Flusses, der in diesem Hochsommer eher einem Bach ähnelt, bietet oft den Schatten von Auenwald oder Fichten.
Vor Hindelang geht es dann nach Süden in das enger werdende Tal hinauf. Am mittleren Lauf der Ostrach, also oberhalb von Hinterstein, beginnt die gut asphaltierte Privatstraße. Hier sind kaum mehr KfZ unterwegs, hingegen viele Radler, denn die Route zum Giebelhaus lässt sich gut radeln, auch mit Rennrädern. Die Steigungen sind eher moderat, der Untergrund bestens. Ab und an kommt einem der Bus entgegen oder überholt. Zum Giebelhaus gibt es diesen Shuttleverkehr.






Die Giebelstraße endigt am Giebelhaus, einem schön gelegenen Gasthaus mit Bushaltestelle. Dahinter geht es steil hinauf auf den Giebel.
An den beiden Flanken des Giebel führen Wirtschaftswege weiter hinauf in die Seitentäler. Nach Westen geht es hinauf zur Laufbichlalpe mit Blick auf den Allgäuer Hauptkamm, der vom recht nahe gelegenen Nebelhorn ausgeht. Das Bergpanorama ist eindrucksvoll: das sind die Allgäuer Hochalpen. Noch weiter oben im Tal liegt eine weitere bewirtschaftete Alpe (Plätele).

Die Laufbichlalpe liegt fast schon malerisch schön am Hang, rings umher die Wiesen, auf denen aber derzeit kein Vieh zu sehen war. Das hat auch Vorteile, denn hier oben ist es still, keine Verkehrs- oder Maschinengeräusche, aber eben auch kein Geläut von weidenden Kühen.





Auf der Hinfahrt hatten wir bereits eine Nachbehandlung unser Extremitäten im Wassertretbecken an der Ostrach bei Vorderhindelang geplant. Leider wurde es gerade gereinigt, als wir eintrafen. So ließen wir uns von den Kindern anregen, die in der Ostrach ihre Wasserfreuden fanden – und wateten vorsichtig – wegen des steinigen Untergrunds – in das angenehm kühlende Wasser.

Freitag, 14.08.2026: Übers Bildstöckle (23 km, 680 Hm)
Diese Tour führt an der südwestlichen Talflanke über den oberhalb von Sonthofen gelegenen Ortsteil Steig hinauf bis fast auf die Höhe des Tiefenbacher Ecks. Dort oben liegt das Bildstöckle, das ein großes Holzkreuz am oberen Ende einer Wiese inmitten des Fichtenwaldes bezeichnet und besser mit einem zehnminütigen Fußmarsch vom Fahrweg aus zu erreichen ist.
Von dort geht es hinab ins Tal, um dort an der Dreiangelhütte in die Gegenrichtung zu wechseln. Mit einigen leichten Anstiegen geht es wieder hinauf zur Berghofer Wald Alpe, die einen schönen Ausblick auf den Grünten bietet.
Anschließend lässt sich’s fast ohne Steigung bis hinab nach Berghofen und damit nach Sonthofen rollen.

Das hochsommerliche Wetter machte mit seiner Hitze den Anstieg doch recht anstrengend. Gleichwohl: die Ausblicke über das Ostrach-Tal und das Illertal auf die Alpenkulisse sind grandios!


Auf dieser Route sind zwar nicht durchgehend, jedoch an mehreren Stellen informative Wegweiser angebracht. Leider gilt das nicht für die beiden Touren der vergangenen Tage. Warum diese Route als „Naturbiken“ vermarktet wird, erschließt sich wohl eher als Marketing-Idee. „Natur“ gibt es hier auf allen Routen, die hinauf zu den hochgelegenen Alpenwirtschaften führen.








In Sonthofen besuchten wir das sehr schön gestaltete und sehr informative AlpenStadtMuseum. Hier wird in einer Sonderausstellung die Entwicklung der örtlichen Landwirtschaft unter dem Nazi-Regime beschrieben: eine erschreckende Geschichte mit ausgebeuteten Fremd- und Zwangsarbeitern auf den Höfen und einer auf die Kriegswirtschaft ausgerichteten Planungsvorgabe für die bäuerlichen Betriebe.
Für die Freunde des Pistensports wurde auch gesorgt: auf dem Simulationsschlitten hinab ins Tal.

Samstag, 15.08.2026: Tour zur Roßberg Alpe unterhalb des Grüntengipfels (33 km, 990 Hm)
Die Tour führte wie bereits die gestrige in das Starzachtal, das nun allerdings in der nördlichen Talflanke befahren wurde und somit die südliche Flanke des Grünten durchquerte. Der Anstieg hinter Berghofen war beträchtlich, zumal wieder Hochsommerwetter herrschte. Belohnt wird der erste Teil des Anstiegs durch herrliche Blicke zurück auf das Illertal bei Sonthofen.

Bis zur Dreiangelhütte verläuft die Route auf dem unteren Königssträßle.

Von der – nicht mehr bewirtschafteten Dreiangelhütte – geht in die Gegenrichtung und wieder mit erheblichen Anstiegen auf dem oberen Königssträßle weiter, um schließlich die weitgehend offene Almwiesenregion um die Erzgrubenerlebniswelt Grünten zu erreichen.
Der einstmalige Erzabbau hier oben am Grünten wird eindrucksvoll in den Stationshäusern des Museumsdorfes dargestellt. Wer eine kostenfreie Führung durch die vier Themenhütten wünscht, kann diese in der App Lauschtour herunterladen.

Im Knappenhock lässt sich dort einkehren, mit großartigem Ausblick nicht nur bis Sonthofen, sondern sogar bis Oberstdorf.
Dann folgt nochmals ein erheblicher Anstieg hinauf zur Rossberg Alpe. Fast die gesamte Route (also das Königssträßle) verläuft auf bestem Asphalt, fast ohne Autoverkehr. Allerdings sind mehrfach Anstiege von 20 Prozent zu nehmen.


Die Rossberg-Alpe liegt inmitten eines weitläufigen Weideareals. Die Kühe machen es sich auch auf dem Fahrweg bequem, sie sind die Wanderer und Radler gewohnt und lassen diese neben sich passieren.





Die Abfahrt auf dem oberen Königsträßle nach Burgberg war eine einzige Sausetour. Wir haben sie in gut 30 min zurückgelegt.


Sonntag, 16.08.2026: Umrundung des Rottachsees (ca. 65 km, 750 Hm)
Die Route führt zunächst entlang der Iller vorbei an Immenstadt bis kurz vor Oberdorf, um dort nach Osten zu schwenken und die westliche Flanke des Rottachbergs bis auf die Höhe von ca. 800 m hinauf zu steigen. Auf dieser Route waren recht viele Radler unterwegs. Nicht immer ist der Untergrund gut befahrbar; es gibt auch Passagen, die steil ansteigen und geröllig sind.





Vom Rottachberg ging es dann hinunter zur Staumauer vom Rottachsee. Dieser See hat eine recht junge Geschichte und wurde gebaut, um Niedrigwasserstände an der Iller aufzuhöhen, was für die Wasserkraftwerke an der Iller große Bedeutung hat. Der Rottachstausee versorgt zudem ein eigenes Wasserkraftwerk.
Die große Trockenheit dieses Sommers war auch am Rottachsee zu bemerken, dessen Uferzone den niedrigen Wasserstand zeigte. Der See dient mittlerweile auch als Freizeit- und Wassersportareal.


Die Route führte recht hoch am westlichen Ufer des Sees entlang.

Um vom nördlichen Seeufer nach Oy zu gelangen, muss ein erheblicher Anstieg genommen und die A7 unterquert werden. Leider lässt sich nicht vermeiden, eine recht kurze Wegstrecke auf der vielbefahrenen Landstraße von Oberzollhaus bis auf die Höhe von Kressen zu radeln. Von dort gelangt man bald schon nach Oy, dessen Name von „Aue“ abgeleitet ist.
Kirche und Rathaus bilden das Zentrum des kleinen Ortes, mit einem Brunnen, der auch einen Trinkwasserhahn zur Versorgung von Wanderern und Radlern bietet. Einkehr hielten wir in einem Café, das als Konditorei ein sehr einladendes Tortenangebot hatte.




Von Oy aus folgt die Route dem Bodensee-Königsee-Radweg bzw. der Radrunde Allgäu. Nach Süden radelnd zeigen sich am Horizont die Allgäuer Alpen, im Tal liegt der Rottachsee und im Südosten ragt der „Wächter des Allgäu“ auf, der Grünten.



Nach Petersthal ging es dann rasant bergab. Und dann wieder etwas hinauf, um den Grünten zu umfahren.




Ohne Regen und bei Sonne trafen wir in Sonthofen ein, so wie an allen sechs vorherigen Radltagen.